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Partnerschaftsverein Biberach

Die Situation in Biberachs Partnerstädten in Zeiten des Corona-Virus …

Das Corona-Virus hat derzeit die Welt im Griff. Wie sich die Situation konkret in Biberachs Partnerstädten und auf der Kanalinsel Guernsey, mit der Biberach freundschaftlich verbunden ist, auswirkt, interessiert selbstverständlich auch die Stadtverwaltung und den Verein Städte Partner Biberach e. V. (StäPa), der sich im Auftrag der Stadt und des Gemeinderates um die Städtepartnerschaften kümmert. Durch die vielfältigen freundschaftlichen Bande in alle sechs Städte gibt es trotz, oder gerade wegen der Corona-Pandemie viele Kontakte per Telefon und Social Media. „Die Kontakte in die Partnerstädte helfen mit, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Sie verdeutlichen eindrücklich, dass wir es hier wirklich mit einer globalen Krise zu tun haben. Die persönlichen Berichte geben den doch anonymen Fakten und Bildern, die wir in den Nachrichten aus aller Welt sehen, Gesichter und Stimmen. Sie zeigen, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. So ernst die Lage auch ist, spendet der Austausch und die Freundschaften über die Ländergrenzen hinweg Trost, Kraft und Hoffnung“, beschreibt Hans-Bernd Sick, Vorsitzender des StäPa, seinen Eindruck. Hier eine paar Rückmeldungen aus den sechs Städten bzw. Körperschaften (in alphabetischer Reihenfolge):


Wie den Nachrichten verfolgt werden kann, ist die Situation in Norditalien ausgesprochen dramatisch. Im Vergleich zu den schlimmen Bildern aus Bergamo und Brecia ist es im piemontesischen Asti weniger schlimm. Am Montagnachmittag (23. März) meldete Simone Bottera, im Rathaus von Asti zuständig u.a. für die Städtepartnerschaften und seit zwei Wochen im Homeoffice tätig, an ihr Pendant im Biberacher Kulturamt, Sabine Engelhardt, von 191 positiv getesteten Personen und elf Todesfällen aus dem Gebiet von Asti und Umgebung, aber auch von 14 Gesundeten. Das mittlere Sterbealte liege bei 78 Jahre. Am Abend meldete die Zeitung „La Stampa Asti“ bereits 215 Infizierte und 12 Tote. Das große Problem sei der Kollaps der Krankenhäuser. Viele beachten die strengen Auflagen, teils noch strenger als von der Regierung vorgegeben, schrieb Simona Bottera an Christine Biefel, die Vorsitzende des Astis-Ausschusses im StäPa. H.-B. Sick, der zahlreiche Freunde und Bekannte in und um Asti hat, berichtet, dass es für die Stadtbewohner in den teils kleinen und engen Wohnungen schon schwierig sei, sich an die strenge Ausgangssperre zu halten, während sich die Bewohner in der Umgebung mit lockerer Bebauung und eigenem Garten weniger eingesperrt fühlen. Aber alle, mit denen er in Kontakt ist, wissen sich noch zu beschäftigen. In seinem Bekanntenkreis sind auch einige Musiker und Künstler, so H.-B. Sick, denen ist auch dort die wirtschaftliche Basis weggebrochen und sie wissen noch nicht, wie sie diese Krise überstehen werden. Aber dennoch sehen alle seine Kontakte die Notwendigkeit der strengen Maßnahmen ein.


Auf der Kanalinsel Guernsey ist die Zahl der Corona Fälle am Samstag, 21. März, von 2 auf 18 gestiegen. Für die kleine Insel ist das noch schlimmer als bei uns, berichtet die Mitvorsitzende des Freundeskreis Guernsey. Sie können niemand mehr nach England zur Behandlung schicken und haben selbst nur ein Krankenhaus mit wenig Intensivbetten. Chris Betley, der Deutsche Honorarkonsul auf Guernsey, habe ihr mitgeteilt, dass in Guernsey mittlerweile 22 Menschen am Corona-Virus erkrankt sind und viele auf Verdacht in Quarantäne sind (Stand 23. März). Es kommen jetzt viele Studenten aus dem Ausland nach Hause, da in England alle Universitäten und Schulen geschlossen sind. Zudem sind viele vom Skifahren aus den Bergen zurückgekommen. Die allermeisten Infektionen betreffen zurückkehrende Skifahrer, hat Claudia Zweil, ebenfalls Guernsey-Mitvorsitzende, von ihren Freunden erfahren. Dies wurde von Gloria Dudley-Owen am 24. März bestätigt und berichtet weiter, dass sich das Virus bisher wohl noch nicht weiter in der Bevölkerung verbreitet habe, viele halten sich an die Selbstisolation. Personen über 70 Jahre wird empfohlen, zuhause zu bleiben und nur absolut notwendige Ausgänge zu tätigen.
Für die kleine Insel ist diese Situation sehr schwer, so Claudia Zweil, da sie aktuell keine Patienten mehr nach England bringen können. Die Corona Test wiederum können nur in England durchgeführt werden und es dauert entsprechend lange, bis Ergebnisse vorliegen. Blue Islands, eine der beiden Fluggesellschaften die Guernsey anfliegen, hat alle Flüge bis Mitte April gestoppt. Es fliegt nur noch Aurigny. Die Condor Fähre transportiert nur noch Fracht, aber keine Passagiere mehr, berichtet Helga Reiser weiter. Und Claudia Zweil ergänzt, dass die Insel Herm am Montag abgeriegelt wurde. Niemand, auch nicht von Guernsey aus, darf mehr auf diese Insel.
Da sich alle Ankommenden in eine 14-tägige Quarantäne begeben müssen, schreibt Gloria Dudley-Owen in ihrer E-Mail, kommen keine Besucher und Touristen mehr auf die Insel. Dazu muss man wissen, dass der Tourismus für Guernsey eine enorme Bedeutung hat. Auch die Feierlichkeiten zum Liberation Day sind abgesagt worden, wie auch alle Gottesdienste. Aber zum Glück sei das Wetter schön, das hebe wenigstens die Stimmung etwas, meint sie.

Bailiff Sir Richard Collas hat am 24.03.2020 eine bewegende Ansprache in Zeiten der Krise gehalten: https://www.youtube.com/watch?v=ANsRHTuP-pk


Aus dem georgischen Telawi berichtet am 23. März Manana Inashvili, die in der Tourismusagentur für Kachetien arbeitet: „Ich hoffe sehr, dass dieser Wahnsinn bald vorbei ist und unsere geliebte Normalität wieder zurückkommt. Bei uns ist es noch gut, obwohl wir auch den Ausnahmezustand haben. Das ist auch richtig so, weil freiwillig kommt die Ernsthaftigkeit der Situation bei einigen Menschen nicht so ganz an.“
Giuli Lapauri, Lehrerin an der Deutschen Schule Nr 9 und seit rund 14 Tagen zu Hause, da die Schulen geschlossen sind, schrieb auch am 23. März. Sie habe die Videoansprache des Biberacher Oberbürgermeisters angesehen und weiß, wie die Lage in Deutschland ist. In Telawi gibt es zurzeit keine Infizierten. In ganz Georgien sind es 50, „aber heute vielleicht schon mehr. Es gibt keine sehr schwere kranken und ein paar sind schon gesund, aber es gibt sehr viele Leute in Quarantäne, die potenziell Infizierte sein können“ so Giuli Lapuri weiter. „Alles ist zu. Die Schulen schon lange, wir machen Internetunterricht, aber es ist so schwierig sich zu konzentrieren. Es ist so langweilig, und man weiß nicht wann das zu Ende ist. Aber ich habe keine Angst und Panik. Alles vergeht und Corona auch“, gibt sie sich optimistisch.


Christa Baumgärtner, Vorsitzende des Tendring-Ausschusses, hat leider keine aktuellen Informationen direkt aus dem Tendring District, der in der Grafschaft Essex liegt, kann aber die Presse zitieren: Bis heute (Stand 23. März) gibt es über 5.600 Corona-Infizierte im Vereinigten Königreich, darunter 71 aus Essex, und 286 Tote landesweit. Den Einwohnern in Essex wurde mitgeteilt, dass sie die Leben tausender Mitmenschen riskieren, wenn sie sich nicht an den Rat der Regierung halten und während der Covid-19 Krise nicht im Haus bleiben. Der Essex County Council sagt: “Es ist die größte Herausforderung unserer Zeit“.


Aus Schweidnitz weiß die Vorsitzende des Schweidnitz-Ausschusses, Małgorzata Jasińska-Reich, zu berichten, dass die Städte in Polen ähnlich verwaist sind wie hier. Einige städtepartnerschaftlichen Aktivitäten sind bereits abgesagt worden. So wird aus Schweidnitz niemand zum Internationalen Markt der Partnerstädte nach Biberach kommen, und auch die geplante Bürgerreise der Schweidnitzer zum Schützenfest findet nicht statt. Am 24. März berichtet Grzegorz Szwegler aus Schweidnitz, dass sich im Kreis Schweidnitz 72 Personen in Quarantäne befinden, weitere 102 sind zur Beobachtung im Krankenhaus; bestätigt sind drei infizierte Personen. Die Polizei in Schweidnitz wird durch zwölf Soldaten bei der Überwachung der Sicherheits- und Ordnungsmaßnahmen unterstützt. Die Polizei unterstützt zudem die Pensionäre der Tagesstätte “Senior-Wigor”. Sie liefern die von Mitarbeitern der Tagesstäte angefertigte Mahlzeiten an die Personen aus, die aus unterschiedlichen Gründen nicht im Stande sind diese selber abzuholen. Die Situation schätzt er selbst so ein: „Die Stimmung ist gut. Bewusstsein hoch. Es herrscht keine Panik und die Leute wissen schon Bescheid, dass nur die strenge Prozedur die Ergebnisse bringen kann. Diszipliniert sind die Bewohner von Swidnica sehr. Man hilf sich gegenseitig. Die Senioren werden von Familien beliefert und versorgt mit dem Essen etc. Die Stadtverwaltung funktioniert, aber man darf nur rein, um ganz bestimmte Sachen zu erledigen (z. B. Personalausweis abzuholen). Ansonsten wird alles Mögliche per Telefon oder E-Mail erledigt. Die Jugend geht nicht in die Schule und sitzt zu Hause. Und damit wie überall gibt es gewisse Probleme. Die werden auch bald lernen müssen, dass nur die bewusste Disziplin die Lage verbessern kann“.


Intensive Kontakte gibt zwischen Brigitte Burrichter vom Valence-Ausschuss und Sabine Engelhardt vom Kulturamt in die französische Partnerstadt Valence, entsprechend ausführlich sind die Berichte aus der Region Drôme. So schreibt Roman Galati, Mitglied im Comité de Jumelage in Valence am 23. März: „Seit Montag letzter Woche haben wir Ausgangsperre in ganz Frankreich. In der Drôme sind es 6 Gestorbene, 99 Fälle und 36 Personen im Moment im Krankenhaus. Es ist sehr schlimm, und in den selben Zeit hatten wir Kommunalwahl in ganz Frankreich. Das war sehr verrückt und viele Leute sind nicht zur Wahl gegangen. Herr Daragon ist mit 59 % wiedergewählt worden, jedoch nur 39 % der Wähler in Valence sind zur Wahl gegangen. … Herr Daragon hat letzten Donnerstag entschieden, dass es sogar eine Sperrstunde in Valence geben muss. Keiner darf zwischen 23 bis 6 Uhr hinaus. In Bourg-Lès-Valence ist es sogar 19 Uhr - 6 Uhr. Die Regierung hat auch den Notstand aufgerufen. Aber das alles ist nicht so schlimm, wie es in Italien passiert. Mehr als 600 Leute sterben jeden Tag dort. Ich glaube, diese Krise ist vielleicht auch eine Möglichkeit, mehr Europa zu fördern und Solidarität zu zeigen. Das Virus kennt ja keine Grenzen...“, blickt Roman Galati hoffnungsvoll in die Zukunft.
Ein weiteres sehr aktives Mitglied im Comité de Jumelage ist die „Un“-Ruheständlerin Barbara Cruvillier, die auch am 23. März u.a. nach Biberach geschrieben hatte: „Die jetzige Zeit ist äußerst schwierig. Die Politiker werden immer vorsichtiger. Das Wort «eventuell» wird sehr oft benutzt. Die Wissenschaftler sind sich auch nicht immer einig. Wir müssen alle optimistisch bleiben und vor allem an unsere italienischen und spanischen Freunde denken, die es ja ganz besonders hart getroffen hat. Hoffentlich stärkt diese Krise Europa!!!!“.
Barbara Cruvillier organisiert den studentischen Austausch zwischen Valence und Biberach mit und berichtet dazu, dass die Rotarier ihr Programm 2020 aufgrund der sich täglich verschärfenden Corona Krise komplett storniert habe. Eine Studentin, die über Biberach nach Valence vermittelt wurde, musste ihr Praktikum vorzeitig abbrechen und ist bereits wieder zurück in Deutschland. „Die Einreisebeschränkungen für europäische Staatsangehörige sind im Moment für unbestimmte Zeit getroffen. Keiner weiß, was das wirklich bedeutet??? Wir wissen seit Dienstag, was Ausgangssperre heißt. Wir brauchen einen Passierschein, um notwendige Lebensmittel zu kaufen und können jederzeit von der Polizei kontrolliert und bestraft werden“, beschreibt sie die ihre Situation. „Ich befürchte, dass in den nächsten Monaten noch einiges auf uns zukommen wird. Trotzdem müssen wir optimistisch bleiben“, gibt auch sie ihrer Hoffnung Ausdruck.

Veröffentlicht von Städte Partner Biberach e.V. am 25.03.2020 19:12